Donnerstag, 18. April 2019

„Deutsche Tugenden“

Werte und Standards


Einem Auswanderungswilligen Freund in Russland habe ich diesen Artikel neulich geschickt.
Der Inhalt ist jetzt nicht das Thema sondern die Antwort die er mir geschickt hat war viel interessanter.

Ich habe einen Spruch gehört, dass „Deutschland dort ist, wo es Deutsch klingt“ Ich schaffe bei mir jetzt ein kleines Deutschland. Ich habe neulich gelesen im einem Artikel, dass man „wenn man schweigt nichts ändern wird“. Und wahrscheinlich, solange ich geschwiegen habe - darüber dass jemand die große Mülltonne vor unserem Haus immer auf die Strasse rausgeschoben hat ; ich habe selbst die Tonne zigmal zurückgeschoben - habe ich damit gar nichts geändert.
Jemand hat jedem Tag die Mülltonne auf der Strasse stehenlassen. Ich habe mich jetzt einmal bei der Hausverwaltung beschwert und die hat sofort Ordnung gemacht. Ich musste nur ein Paar E-mails schreiben. Das funktioniert!

Ich musste erst lachen über die Vorstellung das „Deutschland dort ist, wo sich Leute bei Ihrer Hausverwaltung beschweren“. Aber dann habe ich begriffen was eigentlich gemeint ist.
Es sind Normen und Standards die Jemand bereit ist an sich, der Gesellschaft (diese an sich), aber auch Produkten usw. zu akzeptieren.


Die halbe Welt will nach Deutschland weil - selbst bei dem erbärmlichen Zustand indem sich seine Gesellschaft und Ordnung befinden - die Standards immernoch höher sind als da wo sie herkommen. Diese Standards sind niedrig weil die Kulturen und Gesellschaften dieser Länder schlicht geringere Ansprüche, und anderes Selbstverständnis haben.





Nun gut, schauen wir uns die „Deutschen Tugenden“ mal an...Wir kommen hier zum lange untergegangenen Preussen zurück, denn der erste richtige Deutsche Nationalstaat war das Kaisserreich unter Führung des Königreich Preussen. - Manche würden eh sagen das Preussen und seine Eliten war so ein Deutsch/Baltisch/Russischer Mischkram war, und mit uns Bayern und Schluchtenscheissern hat das ja soviel nicht zu tun usw. aber gut, schauen wir uns an was Bolschewikipedia dazu sagt.

„ Beispiele vorwiegend militärischer Bedeutung

Ursprünglich galten die preußischen Tugenden lediglich für das Heer und wurden erst später von der preußischen Gesellschaft, die sich selbst zunehmend am Militär orientierte, übernommen. Charakteristisch für das preußische Gesellschaftssystem war eine strenge Hierarchie. So galten Treue, Selbstverleugnung zugunsten von Staat und König („Wer auf die preußische Fahne schwört, hat nichts mehr, was ihm selber gehört.“), Tapferkeit ohne Wehleidigkeit („Lerne leiden, ohne zu klagen“), Unterordnung, Mut und Gehorsam (jedoch nicht ohne Freimut) als erstrebenswert. (Selbst)disziplin, eine unerlässliche militärische Tugend, umfasste auch Härte, gegen sich noch mehr als gegen andere.

Beispiele gesamtgesellschaftlicher Bedeutung

  • Aufrichtigkeit
  • Bescheidenheit
  • Ehrlichkeit
  • Fleiß
  • Geradlinigkeit
  • Gerechtigkeitssinn („Suum cuique“ = Jedem das Seine)
  • Gewissenhaftigkeit
  • Ordnungssinn
  • Pflichtbewusstsein
  • Pünktlichkeit
  • Redlichkeit
  • Sauberkeit
  • Sparsamkeit
  • Toleranz
  • Unbestechlichkeit
  • Zurückhaltung („Mehr sein als scheinen!“)
  • Zielstrebigkeit
  • Zuverlässigkeit
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Manche werden jetzt lachen das „Toleranz“ als eine preussische Tugend auf der Liste steht, viel davon ist mit dem „alten Fritz“ verbunden, der hat Religionsfreiheit in diesem Preussen eingeführt, der zum Beispiel Juden sich ansiedeln ließ, wenn sie genug Kohle hatten, und natürlich mit einem Aufpasser der in der Synagoge zuhört was sie so von sich geben.

Nun, viele dieser Werte sind in der christlichen Religion begründet, weswegen die spätere Normierung davon in ganz Deutschland, über mehrere Generationen letztendlich keine große Überraschung war.

Die Konditionierung zu all diesen „Tugenden“ im Verhalten der einzelnen, sorgte für den wirtschaftlichen Erfolg und hohen Lebensstandard Deutschlands im Kaiserreich, die schnelle Wiederbewaffnung und anderes in der Zwischenkriegszeit, und den Wiederaufbau inklusive Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg, die man nur mit Japan und Spanien vergleichen kann. Eine Ordnung fixiert auf Ziele, und eine Bevölkerung die letztendlich bescheiden, fleissig und sparsam malocht, im Extremfall halt eben nur um des Malochens willen. Aber am Ende reicht das...
15 Millionen Nettosteuerzahler halten Deutschland und dahinter noch halb Europa über Wasser... Unglaublich wenig Leute...

Viele Ausländer aber oft auch Deutsche die sich als „Patrioten“ bezeichnen würden bauen sich geistige Lebkuchenhäuser von ihrem Deutschland.
Mindestens so sauber wie die Schweiz, mit pünktlichen Zügen, klimatisierten Bussen, und Fabriken wo fleißige Leute und kluge Ingenieure noch Mercedes W124 und andere tolle robuste Sachen die ewig halten herstellen usw. 

Warum ist das nicht so? Wieso sind Deutschland Dinge gesamtgesellschaftlich toleriert und akzeptiert die man früher abgelehnt hat? → Werteverfall

Wie wirkt sich der Werteverfall der Gesellschaft für den einzelnen und auf die Wirtschaft aus? Nun... ähem schlecht. Wenn wir also wissen wollen wer uns einbrockt müssen wir einfach sehen wer was mit welchem Mitteln propagiert...

Im Prinzip wird jeder Wert der Liste permanent „attackiert“ und den Leuten „schlechtgemacht“. Die maßgeblichen Kanäle wo Einfluss ausgeübt wird sind mal wieder die Medien und die Schulen.

Aufrichtigkeit: Puh zu seinen Haltungen stehen, zu seinen Fehlern. - „Ich sag besser jetzt nix dazu“
Frame&Shame.
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Bescheidenheit: Minimalismus, mit wenig zufrieden sein. - Aber auf keinen Fall! Das ist nicht genug! Kauf mein Produkt damit du nicht Scheisse bist!
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Ehrlichkeit: „Der Ehrliche ist der Dumme“
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Fleiß: „Wer viel arbeitet soll auch viel zahlen!“
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Geradlinigkeit: „Rumeiern“
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Gerechtigkeitssinn: „Jedem das seine“ - Worüber redet man gerade wieder? Enteignungen? Für wen?
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Gewissenhaftigkeit: „Jetzt sei doch nicht so ein Streber und Langweiler, rauch mal ne Tüte und entspann dich da hinten mit Aids-Chantal“
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Ordnungssinn: „Sieht ja voll spießig aus, macht doch mal was kreatives, schmiert alles mit Scheisse ein!“ „Passen diese FlipFlops zu meinem umgedrehten Baseballcap?“
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Pflichtbewusstsein: „Warum soll ich das machen?“ „Weil es dein Job ist?“
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Pünktlichkeit: „Ich bin invididuell, was interessiert mich wie lange jemand auf mich warten muss?“
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Redlichkeit: Klar behaupten wir als Wissenschaftler nur und schreiben was wir auch beweisen können...
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Sauberkeit: Wenn du den gelben Sack suchst, hab ich vorher in den Trinkwasserbrunnen geschmissen...
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Sparsamkeit: „Sparer sind Loser“ Lebe jetzt zahle später. 72 Raten für ein Telefon sind doch ok.
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Toleranz: Ach was, nur weil da sich ein paar Leute gerade auf dem Platz abgestochen haben, ist doch kein Grund sich aufzuregen, das sind fremde Kulturen. Wir können soviel von ihnen lernen, ich weiß nicht wer in die Dusche geschissen hat.
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Unbestechlichkeit: Wahrscheinlich das einzige was noch „Deutsch“ an Deutschland ist, zumindest in Behörden gibt es keine richtige Korruption. Es kostet sowieso alles Geld und niemand will zweimal bezahlen. Und die Leute die eingestellt werden interessiert Geld nicht sondern das sie Leute gängeln und nerven können.
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Zurückhaltung („Mehr sein als scheinen!“): Bling Bling, schau auf mein fettes Facebookprofil
Zielstrebigkeit: Vielleicht, so oder so.
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Zuverlässigkeit: „Der Scheck ist in der Post, vertrauen Sie mir!“
 

Man hat in Gesellschaften interne und externe Ordnungssysteme die auf Verhalten positive oder negative Rückmeldungen geben. Für die „Arbeiterklasse“ war es ein Makel keine Arbeit zu haben. „Wer nicht arbeitet ist ein Assozialer“ ob er nur ein Drückeberger ist, oder ein „Pfeffersack“ der Faul im Büro im weißen Hemd rumsitzt anstatt nach Kohle zu buddeln. Dieser „Standard“ gilt nicht mehr, Faulheit wird im Sozialstaat honoriert und belohnt. Und man redet jetzt von so unnatürlichen Dingen wie „Work-Life-Balance“ während die Leute dein T-Shirt gemacht haben unter ihrem Nähmaschinentisch schlafen. Fleiß wird bestraft. Das hat mehrere Folgen: Die Motivation sinkt, die Produktivität sinkt, aber auch der persönliche Wohlstand der einzelnen. Woran dann natürlich der Arbeitgeber schuld sein soll... Das Absenken eines Standards, die Bekämpfung einer „Tugend“, senkt andere Standards. → Dominoeffekte treten ein.


In Osteuropa ist eine typische Politikerparole „Korruption zu bekämpfen“: Was nur mehr schlecht als recht irgendwo funktioniert...
Warum? Korruption gibt es vor allem dort wo es in der Bevölkerung und der Gesellschaft als "Normalität" akzeptiert ist. Damit man etwas bekommt muss man etwas geben, etwas das normal nicht so einfach geht, mit etwas das man normal nicht so einfach bekommt.
Deswegen existiert sie in allen postkommunistischen Gesellschaften. Deutschland ist hier anders, der Staat hat nämlich ein „Monopol auf Korruption“ deswegen kostet sowieso alles Geld, niemand der schon bezahlt hat, sieht ein etwas draufzulegen. Deswegen gibt es keine Akzeptanz dafür. 

Aber schauen wir mal, in den letzten 50 Jahren hat man in den USA und Westeuropa Sturmgeschütze gegen die Tugenden aufgefahren, und das passiert vor allem in der Gestalt von sogenannten „Linken“, die den Trick aller Marxisten anwenden und eine Abwesenheit von Moral als „Moral“ verkaufen. 
„Tugenden“ enstehen in der Regel in hierarchischen, autoritären Strukturen und Ordnungen. Sei es das alte Japan, eine Armee, ein Mönchskloster oder eine Diktatur mit Polizeistaatcharakter welche diese Ordnung aufrecht erhalten. Und der Sinn der „Tugenden“ ist auch, das der Untertan diese Werte und Normen nicht hinterfragt, das macht das Leben für den Herrscher einfacher, aber eben auch für den Beherrschten.
Ziel des Marxismus ist die Subversion, und die Zerstörung der damaligen Ordnung und der Herrschenden zur Zeit von Marx – die Tugenden können nach der Revolution wiederkommen wenn man sie gebrauchen kann. 
So das ursprüngliche Ziel. Das Problem ist nur, die Herrscher und die Ordnungen die Marx bekämpfen wollte gibt es schon lange nicht mehr...Die "Linken" - Right is Right and Left is Wrong sind bereits „Politiker und Eliten“ d.h. sie „haben gewonnen“, Sie begreifen es nur nicht, deswegen nimmt die Subversion kein Ende, auch wenn sie dabei die Strukturen für den eigenen Machterhalt zu schwächen und zu zerstören, was eine tolle Sache ist.

Die Gesellschaft hat selbst keine „Abwehrreflexe“ gegen die Subversion, die Institutionen welche die Bevölkerung kontrollieren sollten sind „gedreht“, Staat, Bildungssystem, Kirchen, Medien.
Der als Untertan konditionierte hat diese nicht zu hinterfragen, und der NPC weiß ja das die feinen Leute besser wissen was richtig für Ihn ist, eine andere Meinung kann ihm nur verordnet werden, und die KI ist auch bei NPC noch nicht so weit das da selbst was rauskommen würde.
Somit steht das Individuum alleine mit seinen Normen und Werten da.

Man könnte jetzt den Bequemen weg gehen und sagen „dann bastel ich mir halt gleich ganz neue Tugenden“ aber man darf nicht vergessen das diese Sachen in vielen Kulturen oft gleich oder ähnlich sind bzw. als „das Gute“ definiert, weil es sich eben als positiv rausgestellt und normiert hat, eine Entwicklung über einige tausend Jahre. 
Wer also nicht Enablen und unterstützen will, der muss also „mit gutem Beispiel“ vorangehen und sehen das er für sich und seine Umgebung die Strukturen „dahin dreht“ wohin sie sollen.

Das bedeutet die Ansprüche an sich selbst erhöhen, die Standards für sich höher zu setzen, aber auch die für das was man aus Faulheit und Bequemlichkeit bereit ist zu akzeptieren und zu tolerieren zu reduzieren... Und sei es wenn man sich nur über den Hausmeister der seinen Job nicht macht beschwert.

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